3. Keynote: Keep cool, Mum, mach Dir nicht so viele Sorgen um mich! (Janine Berg-Peer und Henriette Peer)

Kinderklinik, Ettore Rossi

Der Recoveryprozess fordert viel von Betroffenen: Zunächst müssen wir anerkennen, dass wir unsere Erkrankung managen müssen, wenn wir ihr nicht hilflos ausgeliefert sein wollen. Wir müssen uns mit psychischen Krankheiten auseinandersetzen und unsere eigenen Frühwarnzeichen kennen. Wir müssen akzeptieren, dass unser Leben nicht so ablaufen wird, wie wir uns das einmal gewünscht hatten. Wir müssen Krisen nicht als Katastrophen oder persönliches Versagen ansehen, sondern als Teil unseres Lebens betrachten. Fachleute können uns unterstützen oder behindern: Es darf nicht nur um die Reduzierung von Symptomen gehen, sondern sie sollten unsere Ziele kennen und uns auf unserem Weg dahin unterstützen. Unsere Angehörigen sollten uns trotz Erkrankung als selbständige Menschen betrachten und nicht versuchen, uns zu retten oder zu kontrollieren.

Auch Angehörige müssen einen Recoveryprozess durchlaufen, wenn sie ihre Kinder oder Lebenspartner/innen unterstützen wollen. Sie müssen die Realität akzeptieren und lernen, damit umzugehen. Vor allem müssen wir uns mit unseren eigenen inadäquaten Copingstrategien auseinandersetzen: Oft ist es nicht die Krankheit, die so belastend für das Leben der Angehörigen ist, sondern ihre Einstellung zu der neuen Situation und ihr Umgang damit. Auch wenn es schwierig ist, die eigenen Glaubensätze und Emotionen zu verändern: Wir werden ein zufriedeneres Leben haben und können unsere Kinder besser unterstützen, trotz Erkrankung ein möglichst selbständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen.

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